DAVE Festival
Festival für
Clubkultur
20 — 29 Okt 2017

Podcasts

DAVE Podcast #02: Navigate

Jauchzet und frohlocket. Nummer zwei in der DAVE Podcast-Reihe kommt von Navigate. Der Produzent und DJ aus der Lokalhelden-Posse kümmert sich mit seinen Freundinnen und Freunden nun schon seit geraumer Zeit um eine Basement-inspirierte Partykultur in der Stadt. Seine Beats strahlen immer noch die Düsternis früherer (aber längst nicht vergessener) Dubstep-Vorlieben aus, kleiden sich aber vermehrt im Vierviertel-Gewand. Viel Spaß beim Lesen des sehr sympathischen Interviews. Der sehr unterhaltsame Mix läuft ja ohnehin schon im Hintergrund, während ihr das hier lest.

Wie bist du zur elektronischen Musik gekommen? Wo liegen deine musikalischen Wurzeln?

Als ich so 12 oder 13 war habe ich angefangen mich, ich sag mal ‚bewusst‘ und viel mit Musik auseinander zu setzen. Da gab es einige Anstöße und dann lief das irgendwie, keine Ahnung. Anfangs war ich da dann der typische Alles-Hörer, hatte aber immer schon einen Hang zu elektronisch gemachten Sachen und habe auch immer nach Bands oder Künstlern gesucht, die viel mit Synthesizern und Keyboards arbeiten (Ladytron wäre ein gutes Beispiel). Ich fand das irgendwie cool zu sehen wie die auf einem (für mich war es das damals, ich konnte das gar nicht von Synthesizern unterscheiden) Keyboard rumspielen und dabei mit irgendwelchen Knöpfen die Töne verändern und wollte das dann auch mal selber machen. Deshalb habe ich dann auch angefangen Keyboardunterricht zu nehmen, den ich aber mangels Lust auf so ein stures Unterrichtsklima (ein Lied nach dem anderen und alles vorgegeben, man konnte kaum seinen Senf dazugeben), nach 4 Jahren, wieder beendet habe.

So richtig zur elektronischen Musik gekommen bin ich dann 2008 durch Dub_FX, den Beatboxer mit der Loopstation. Der hat mich auf Dubstep gebracht und ich habe dann sogar in meiner Klasse damals einen Vortrag über ihn und Dubstep gehalten, haha. Durch Dubstep kam ich dann etwas später zu Drum & Bass, bin auch ab und zu mal ins Kingbeatz gegangen, aber das hat sich nicht lange gehalten. Und 2010/2011 habe ich dann ungefähr angefangen, mir in allen möglichen Richtungen der elektronischen Musik (vor allem aber im Bereich von ungefähr 100-135 Bpm) Sachen anzuhören und mich für vieles mehr zu öffnen (ne 4/4-kick konnte ich davor z.B. eher weniger ab). Das war auch die Zeit, in der ich mir meine ersten Platten gekauft habe. Und so liefs dann weiter und weiter..

Welche Produzenten bewunderst du und worin beeinflussen sie dich?

Wen ich auf jeden Fall schon seit meiner Dubstep-Phase bewundere sind Synkro und Indigo (und eigentlich auch die ganze Riege in Manchester drumherum), die man momentan vielleicht eher als Akkord kennen dürfte, welche mich auch in meinem musikalischen „Interessenswerdegang?“ die ganze Zeit begleitet haben. Auch als das Dubstep-Monopol in meinem Kopf so langsam kippte und ich mich auch für technoide und andere Sachen zu interessieren begann. Die waren mir mit ihren Releases immer irgendwie einen Schritt voraus, haha.

Ein anderes Vorbild von mir ist DjRum. Die Sets sind für mich eigentlich immer eine kleine Offenbarung in Sachen „wie misch ich verschiedene Genres miteinander, ohne den Faden zu verlieren“ und der hat einfach Skills ohne Ende, das hat mir sein Auftritt in der Paula letztes Jahr einmal mehr bewiesen. Sein neulich erschienenes Release auf Samurai hat mich auch sehr beeindruckt. Vor allem „Plantain“ beschreibt eigentlich gut, was ich an seiner Musik so mag, wenn man sich den Track in Ruhe von Anfang bis Ende durchhört. Da wird eine Geschichte erzählt…

Welchen Ansatz verfolgst du beim Produzieren? Bist du Sample-, DAW- oder Analog-Typ? In welchen Situationen entsteht ein Navigate?

Mein aktueller Ansatz ist eigentlich mehr das neue Kniffe lernen und was noch so dazugehört. Das geht in eine gute Richtung. Da bin ich guter Dinge grad. Ich könnte mir allerdings vorstellen irgendwann mal auf überwiegend analoge Produktion umzusteigen bzw. mir einfach mehr Geräte zuzulegen, aber dafür fehlen mir momentan schlicht die Mittel. Das geht so nach und nach von statten. Meine Musik entsteht eigentlich zu allen möglichen Tages- und Nachtzeiten, da gibt’s keine besonderen Situationen die das auslösen. Ich könnte nur behaupten, dass ich nach der Arbeit meist am produktivsten und kreativsten bin. Wenn man es so nennen kann.

Ist Dresden ein gutes Pflaster, um sich musikalisch zu entwickeln oder wünschst du dir mehr Unterstützung z.B. in Form von Workshops? Anders gefragt, können Talente in Dresden gedeihen? Wer hat dir geholfen beim Lernen?

Also ich fühle mich hier grad pudelwohl, hab im Moment nix zu meckern und würde einfach sagen hier können Talente super gedeihen, ja. Es wird einem ja immer wieder bewiesen. Ich finde das aktuelle Angebot an Workshops und Kursen ausreichend, das liegt vielleicht auch daran das ich eher selten zu solche gehe. Habe mir aber vorgenommen, das mehr zu tun!  Als Geronimo und ich damals, fast zusammen (er hat ein wenig eher angefangen und mich quasi damit angesteckt), mit dem Produzieren angefangen habe, habe ich natürlich mitunter viel von ihm gelernt und er von mir, das war so ein schöner gegenseitiger Austausch in der ersten Zeit, das war gut und hat uns beide denk ich echt vorwärts gebracht. Ansonsten hat mich der werte Gnista im letzten Jahr sehr viel gelehrt, vor allem was Arbeitsweisen und Abmischen angeht, dafür schulde ich ihm auch noch was.

Welche Dresdner Talente schätzt du?

Ganz besonders mag ich den Dennis (DNZ), der mich schon in meiner Dubstepzeit echt immer wieder umgehauen hat. Er kann einen immer wieder überraschen. Ansonsten natürlich unsere liebe Crew mit allen die dazu gehören und drumherum und viele, viele mehr. Ich will jetzt hier gar nicht alle aufzählen, da würde ich nicht fertig werden.

Du bist Teil der Lokalhelden-Crew. Worin seht ihr euren Auftrag für Dresden und wie seid ihr eigentlich zueinander gekommen?

Naja, es hat alles im Freundeskreis angefangen so nach dem Motto „lass mal ’ne Party im Wald machen!“ und als eines grausamen Tages das Reich & Schön Festival von den Fluten eines überlaufenden Baches heimgesucht wurde, war das für uns der Grund den wir gebraucht haben um irgendwas zu starten und so haben wir eine Soli-Party für das Festival im Wald gemacht. Dabei hatten wir Hilfe von einem bekannten Veranstalter aus Dresden, den ich an dieser Stelle hier auch nicht vergessen will. Das Ganze lief verhältnismäßig gut und das hat uns motiviert weiter zu machen und so nahm die Sache ihren Lauf.

Die Crew existiert eigentlich zum einen damit wir unsere Musik an den Mann bringen und in die Öffentlichkeit tragen können und zum anderen damit wir uns die Künstler einladen können, die wir gern einmal in Dresden haben wollen. Und auch wenn es bei uns viele verschiedene Geschmäcker und Richtungen gibt, so hält das ganze trotzdem irgendwie zusammen. Das macht es für mich auch irgendwie aus und schon ein bisschen einzigartig.

Wie schätzt du die Infrastruktur für Clubkultur in Dresden ein?

Im Moment gefällt’s mir recht gut, auch durch die vielen coolen, neuen Locations, Partys und Crews, die grad so aus dem Nebel treten. Aber was Dresden mal brauchen könnte, ist ein Club mit einem regelmäßigen Programm, bei dem man weiß, was man (musikalisch) erwarten kann, wenn man hingeht oder bei dem man einfach einen gewissen roten Faden im Programm wiederfindet. Sicher werden viele sagen, dass es solche Clubs in Dresden schon gibt und das stimmt sicherlich auch, aber irgendwie fehlt eben noch was. Als super essentiell sehe ich so einen Club aber auch nicht an.

Tracklist

figuras frustradas – psychic vacuum
bambounou – deepstaria
gruzo – supersonic (ndnm remix)
plastikman – marbles
djs pareja – no paren
emmanuel top – spherique
credit 00 – 909ish
cajmere&wayne williams – acid house
vin sol – shox
jack dangers – house of god (dhs mix)
martyn – vancouver (head high remix)
stenny – local fields
chaka – trap door
hysterics – eye mask
pearson sound – power drumsss
trade vocal

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