DAVE Podcast #13: Ike

Podcast Nummer 13 kommt von Ike aus der MK34 & the Prince of Saturn-Posse. Wer ihn kennt, schätzt ihn als Mr. Nice Guy und umtriebigen DJ mit ausgesuchter Plattensammlung, über deren Zusammensetzung man durchaus eine Diplomarbeit schreiben könnte. Eine Auswahl daraus macht er regelmäßig der Öffentlichkeit zugänglich. Unter anderem einmal im Monat bei der Clubbarnacht Jazzheavens in der Zille, die er gemeinsam mit seinen Kumpels vom Saturn schmeißt.

DAVE: Wer ist der MK34 & the Prince of Saturn?
Eine Gruppe von Vinylenthusiasten und Musikern. Damals wohnten Phil (Scptc), olo, CVBox und ich in einer WG auf der Radeberger 34, dazu kam noch Chris (buzz j.), unser amerikanischer Freund und Lars K., der nun in HH wohnt. Wir haben dort schöne Auflegesessions, Partys und Jams veranstaltet. Der „Prince of Saturn“ war immer der, der gerade an den Reglern stand. Vor zwei Jahren kam noch Heninspace ins Spiel.

DAVE: Ihr habt mit „Jazzheavens“ eine Boutique-Clubreihe in der Zille. Dann machst du auch beim „Hi-Fi“ im Leonardo mit. Beide Reihen sind ausgewiesene Listening-Formate, bei der aber niemand von der Tanzfläche geschmissen wird. Was schätzt du an „Barmusik“-Nächten?
Jazzheavens, das wir seit 2010 machen, war immer als Vinylsession mit Tanzpotential gedacht, und so ist es auch, es wird regelmäßig zu späterer Stunde getanzt und der Morgen begrüsst. Eigentlich wie die Sessions zu Hause in doper Atmosphäre, nur mit dicker Anlage und Gage. „Hi-Fi“ gibt’s seit Jahresanfang und ist eine Spur sanfter angelegt, hier ist der Scherbe, der gleich gegenüber wohnt, ein liebgewonnener regelmässiger DJ-Gast geworden. Ich schätze an diesen Nächten die Vielfalt der mitgebrachten Musik. Es gibt viel zu entdecken und man hat Zeit zum fachsimpeln. Eine Spielwiese für Experimente. Tempi- und Stimmungswechsel sind möglich wie selten auf einem reinen Dancefloor. Man kann spielen, was man sonst nicht spielen kann.

DAVE: Bei welcher Musik wird Dein Herz schwach und was legst Du am liebsten auf?
Momentan schmelze ich bei den jazzigeren Nummern aus der Peckham-posse. Tenderlonious und Jussef Kamaal sind der SHIT. Das is ne geile Mischung aus tanzbarem housigen Sound und improvisiertem Jazzfunk mit geilen Synthies. Moderne akustische und elektronische Leckerbissen mit 70er-feel. Von den älteren Sachen her bin ich ein grosser Donald Byrd Fan. Ansonsten natürlich gerne Detroit Techno von Jeff Mills und Konsorten und Electro à la Drexciya oder Model 500, Ich hab ja nicht immer Jazz und Funk etc. aufgelegt, das kam erst in den letzten zehn Jahren verstärkt ins Regal. Nicht zu vergessen den großartigen CVBox.

DAVE: Wie schätzt Du die Dresdner Clubszene ein?
Es gibt viele neue Netze und Crews die aufploppen und unzählige DJs. Gerade Tolerave und DAVE machen deutlich, dass sich viele junge Menschen in Dresden für elektronische Musik begeistern. Da ist für jeden was dabei, von experimentellen Abenden bis Exzessen im 4/4tel Takt. Vom Untergrund aufwärts gibt’s alles.
Schön, dass es das Objekt Klein A jetzt gibt und natürlich Kacke die Situation ums Sabotage.

DAVE: Ist Dresden ein gutes Pflaster, um sich musikalisch zu entwickeln oder wünschst Du Dir mehr Unterstützung z.B. in Form von Workshops? Anders gefragt, können Talente in Dresden gedeihen? Wer hat Dir geholfen beim Lernen?
Ich denke, man kann sich hier gut entwickeln als Musiker, Bands oder Projekte gründen, Workshops besuchen zb.: auf dem DAVE Festival, Partys oder Auftritte organisieren etc. Finanziell ist das wieder ne andre Frage aber ideell kann man sich hier ausleben. Es gibt genügend, die hier was auf die Beine Stellen. Ich bin ja erst seit 2006 in Dresden, aber schon bissl länger dabei. In den 90ern als ich noch in Zittau wohnte, hab ich viel im Fenders (damals hardwax) per mailorder bestellt und damit meinen Horizont erweitert. Dann gabs da die ersten House of Summer Festivals (später moxxom), die mich beeinflusst haben und diverse Besuche im alten Tresor.

DAVE: Welche Dresdner Talente schätzt Du?
Auflegetechnisch begeistern mich immer wieder der Recke Bronko, DNZ und Break SL. Geilen Scheiß spielen auch Snigglz, Roland, Hannes, Bondexx, Schadi, Cover, Henis, Scherbe und Philipp Demankowski. In der Kategorie Live-act fallen mir Schönfeld, Dub Willner als Band, Tharsis Shelter Unit und VMBT ein.

DAVE: Wo kann man Dich demnächst erleben?
*Monatlich bei „Hi-Fi“ im Leonardo, nächtes mal am 8.7.
* am 12.7. mit Andy K. bei „Summertime“ im Wettbüro
*zur nächsten Ausgabe vom „audiovisual basement spa“ im Schlangenladen auf der Kamenzer 25
*“Jazzheavens“ gibt’s nach der Sommerpause im September wieder.
*Im Oktober sicherlich im Rahmen vom DAVE Festival irgendwo.

Tracklist

Yussef Kamaal – Yo Chavez (Brownswood)
Sun Ra – Space is the Place (Blue Thumb)
Delia Derbyshire – Ziwzih Ziwzih 00-00-00 (BBC Radio Enterprises)
Raymond Scott – Lightworks instr. (Electronium)
Moon B – Oof (Peoples Potential Unlimited)
West Phillips – I’m just a sucker for a pretty face (Quality)
Jesse G. – That’s Hot instr. (Nuggett)
House of Styles – Acid Queen (H.O.T.)
Dopplereffekt – Scientist (Gigolo)
Mr. Scruff – Chicken in a Box (Ninja Tune)
The Avalanches – Extra Kings (Modular)
Les Little – Ressens le Son instr. (Mercury)
Black Milk – Sonny Jr. (Fat Beats)
The Mighty Boosh – Jazz Trance
Donald Byrd – Estavanico (Blue Note)
Tenderloniuos – Sula (Yoruba)
Tenderlonious – Bob’s Riddim (22a)
Klaus Weiss – Sirvivor (Selected Sound)
DopeGems – Solstice (Heavenly Sweetness)
Azymuth – Um Abraco Da Mocidade (Milestone)

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